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Branchenscore: warum Sie mehrere SCHUFA-Scores haben

Der Prozentwert aus Ihrer Selbstauskunft ist nicht der Wert, den die Bank sieht. Wie die sechs Branchenscores funktionierten und was die Umstellung bringt.

„Mein SCHUFA-Score ist 97 Prozent“ – und die Bank lehnt trotzdem ab. Der Grund ist meist kein Fehler, sondern die Konstruktion: Es gab bislang nicht einen Score, sondern mehrere. Den Wert, den Sie in Ihrer Selbstauskunft sehen, bekommt die Bank gar nicht zu sehen.

Basisscore und Branchenscores

Basisscore Branchenscore
Wer sieht ihn nur Sie selbst nur das anfragende Unternehmen
Zweck Orientierung für Verbraucher Entscheidungsgrundlage im jeweiligen Geschäft
Darstellung Prozentwert branchenspezifischer Wert, oft als Ratingstufe
Aktualisierung vierteljährlich bei jeder Anfrage neu berechnet

Es gab sechs Branchenscores – für Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Telekommunikation, Handel und Versandhandel beziehungsweise E-Commerce. Jeder bewertete dieselben Daten mit eigener Gewichtung, weil das Risiko unterschiedlich ist: Beim Mobilfunkvertrag geht es um ein Gerät im Wert von einigen Hundert Euro, bei einer Baufinanzierung um sechsstellige Summen über Jahrzehnte.

Deshalb kann derselbe Mensch am selben Tag im Handel durchgehen und bei der Bank scheitern. Und deshalb ist der Prozentwert aus Ihrer Selbstauskunft eine Orientierung, keine Prognose für einen konkreten Antrag.

Was sich gerade ändert

Die SCHUFA hat am 3. April 2025 einen neuen, einheitlichen Bonitätsscore vorgestellt, den Verbraucher anhand ihrer eigenen Daten nachrechnen können: Jedes Kriterium erhält Punkte, die addiert werden, und die Punktzahl zeigt die Gewichtung. Die wichtigsten Angaben aus der Mitteilung:

  • Der neue Score ist für Verbraucher und Unternehmen derselbe – die Trennung zwischen Basisscore und Branchenscore fällt damit weg.
  • Er beruht auf zwölf Kriterien, ausgewählt aus mehr als 250 möglichen. Die sechs Branchenscores verwendeten zusammen rund 100 Kriterien.
  • Er soll die sechs Branchenscores und anschließend den Basisscore ersetzen, der seit 2006 besteht.
  • Die Prognosegüte gibt die SCHUFA mit über 60 Gini-Punkten an.
  • Die Umstellung läuft stufenweise: Zum Zeitpunkt der Mitteilung testeten 17 Banken und Unternehmen den Score oder planten das; ab dem vierten Quartal 2025 sollten genügend Unternehmenskunden ihn nutzen und ein Erklärtool für Verbraucher verfügbar sein.

Die Umstellung ist damit angelaufen, aber nicht überall abgeschlossen. Fragen Sie im Ablehnungsfall konkret nach, welcher Score verwendet wurde.

Was rechtlich gelten muss – unabhängig vom Modell

§ 31 Abs. 1 BDSG erlaubt die Verwendung eines Wahrscheinlichkeitswerts über künftiges Verhalten nur unter vier Bedingungen:

  • Das Datenschutzrecht muss eingehalten sein (Nr. 1).
  • Die genutzten Daten müssen unter Zugrundelegung eines wissenschaftlich anerkannten mathematisch-statistischen Verfahrens nachweisbar erheblich für die Prognose sein (Nr. 2).
  • Es dürfen nicht ausschließlich Anschriftendaten genutzt werden (Nr. 3).
  • Werden Anschriftendaten genutzt, ist die betroffene Person vorher zu unterrichten, und die Unterrichtung ist zu dokumentieren (Nr. 4).

Die dritte und vierte Bedingung sind der Grund, warum rein adressbasierte Bewertungen unzulässig sind – mehr dazu unter Geoscoring. Und § 31 Abs. 2 BDSG zählt auf, welche Forderungen überhaupt in einen Score einfließen dürfen: nur titulierte, anerkannte oder zweimal gemahnte und unbestrittene. Was das für Vertragsdaten ohne Zahlungsstörung bedeutet, steht unter Positivdaten.

Warum Ihr Prozentwert und die Bankentscheidung auseinanderfallen

  • Anderer Score. Die Bank sieht nicht Ihren Basisscore, sondern den für ihre Branche berechneten Wert.
  • Interne Prüfung kommt hinzu. Der Auskunfteiwert ist nur ein Baustein. Dazu kommen die eigene Haushaltsrechnung der Bank, das interne Rating und die gesetzliche Kreditwürdigkeitsprüfung – siehe Haushaltsrechnung.
  • Zeitversatz. Der Basisscore wird vierteljährlich fortgeschrieben, der Branchenscore bei jeder Anfrage neu berechnet. Eine gerade zurückgezahlte Rate kann im einen Wert schon enthalten sein und im anderen noch nicht.
  • Produktzuschnitt. Ein guter Wert für einen Ratenkauf heißt nicht, dass er für ein Immobiliendarlehen reicht.

Was Sie daraus machen können

  • Datenkopie nach Art. 15 DSGVO verlangen, nicht nur das Score-Produkt. Darin sind alle gespeicherten Daten, die Herkunft, die Empfänger und die Speicherdauer enthalten – Muster unter Auskunftsanspruch nach der DSGVO.
  • Nach der Begründung fragen. Bei einer Ablehnung hat die Bank Sie nach den Vorgaben zur Kreditwürdigkeitsprüfung zu informieren; verlangen Sie die Auskunftei und den verwendeten Wert. Dazu Kreditantrag abgelehnt.
  • Daten korrigieren, nicht den Score. Der Score selbst ist kein Datum, das man berichtigen kann – angreifbar sind die zugrunde liegenden Einträge: SCHUFA-Eintrag löschen.
  • Konditionenanfrage statt Kreditanfrage. Nur die erste ist scoreneutral – Konditionenanfrage.
  • Mehrere Anbieter einer Branche vergleichen. Innerhalb derselben Branche ist der Score gleich, die Annahmegrenze aber nicht: Jedes Unternehmen legt selbst fest, ab welchem Wert es zusagt.

Der letzte Punkt ist der praktisch wichtigste: Eine Ablehnung ist keine Aussage über Ihre Bonität, sondern über die Risikogrenze eines einzelnen Hauses. Dieselbe Akte führt bei einer anderen Bank regelmäßig zu einer Zusage – vorausgesetzt, Sie fragen Konditionen ab und nicht Kredite. Wie der Score sich systematisch verbessern lässt, steht unter Bonität verbessern.

Häufige Fragen

Warum lehnt die Bank ab, obwohl mein Score hoch ist?

Weil sie einen anderen Wert sieht. Der Prozentwert Ihrer Selbstauskunft ist der Basisscore; die Bank erhält den für ihre Branche berechneten Score. Dazu kommen ihre eigene Haushaltsrechnung, das interne Rating und die gesetzliche Kreditwürdigkeitsprüfung.

Wie viele SCHUFA-Scores gibt es?

Neben dem Basisscore für Verbraucher gab es sechs Branchenscores – für Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Telekommunikation, Handel und Versandhandel beziehungsweise E-Commerce. Sie sollen durch einen einheitlichen Score ersetzt werden.

Was ändert der neue einheitliche Score?

Er ist für Verbraucher und Unternehmen derselbe und beruht auf zwölf Kriterien, ausgewählt aus mehr als 250 möglichen; jedes Kriterium erhält Punkte, die addiert werden. Damit ist die Rechnung für Verbraucher nachvollziehbar. Die Umstellung erfolgt stufenweise und ersetzt zuerst die Branchenscores, dann den Basisscore.

Darf ein Score allein auf meiner Adresse beruhen?

Nein. § 31 Abs. 1 Nr. 3 BDSG verbietet die ausschließliche Nutzung von Anschriftendaten. Werden Anschriftendaten einbezogen, ist die betroffene Person vorher zu unterrichten, und die Unterrichtung ist zu dokumentieren.

Kann ich meinen Score berichtigen lassen?

Den Score selbst nicht – er ist ein Wahrscheinlichkeitswert, kein gespeichertes Datum. Angreifbar sind die zugrunde liegenden Einträge: Berichtigung nach Art. 16 DSGVO oder Löschung nach Art. 17 DSGVO, wenn die Voraussetzungen des § 31 Abs. 2 BDSG für eine Forderung nicht erfüllt waren.

Hilft es, bei mehreren Banken anzufragen?

Ja, wenn Sie Konditionen abfragen und keine Kredite beantragen. Innerhalb einer Branche ist der Score gleich, die Annahmegrenze legt aber jedes Unternehmen selbst fest – dieselbe Akte führt bei einer anderen Bank oft zur Zusage.

Quellen

  1. § 31 BDSG – Schutz des Wirtschaftsverkehrs bei Scoring und Bonitätsauskünften (abgerufen am 09.10.2026) – Bundesamt für Justiz
  2. Pressemitteilung vom 03.04.2025: Neuer SCHUFA-Score für völlige Transparenz (abgerufen am 09.10.2026) – SCHUFA Holding AG
Stefanie Michels

Autor:in

Stefanie Michels

Private Banking Finanzplanerin · Gelernte Bankkauffrau, Finanzplanerin

Als gelernte Bankkauffrau und Finanzplanerin im Private Banking verfüge ich über 12 Jahre Erfahrung im Finanzbereich. Bei kreditfrage.com bringe ich meine Praxiserfahrung ein, um komplexe Themen rund um Finanzplanung, Kredite und private…

Stefan Tietz

Fachlich geprüft von

Stefan Tietz

Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht · Rechtsanwalt, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

Als Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht verfüge ich über 25 Jahre Erfahrung mit rechtlichen Fragestellungen rund um Banken, Finanzierungen und Kapitalanlagen. Bei kreditfrage.com bringe ich meine juristische Expertise ein, um komplexe rechtliche…

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