Wie Factoring funktioniert
Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Rechnungen an einen Factoring-Anbieter. Statt 30, 60 oder 90 Tage auf das Geld zu warten, erhält es den Großteil des Rechnungsbetrags binnen weniger Tage. Rechtlich ist das kein Kredit, sondern ein Forderungskauf – und genau das ist der entscheidende Unterschied: Die Forderung verschwindet aus der Bilanz, statt dass eine Verbindlichkeit hinzukommt.
- Sie stellen Ihrem Kunden wie gewohnt eine Rechnung und reichen sie beim Factor ein.
- Der Factor zahlt einen Vorschuss aus – üblich sind 80 bis 90 Prozent des Bruttobetrags.
- Der Rest bleibt als Sicherheitseinbehalt stehen, bis Ihr Kunde zahlt.
- Zahlt der Kunde, erhalten Sie den Einbehalt abzüglich der Gebühren.
Die wichtigsten Varianten
| Variante | Was sie bedeutet |
|---|---|
| Echtes Factoring | Der Factor übernimmt das Ausfallrisiko (Delkredererisiko). Zahlt der Kunde nicht, bleibt das Geld bei Ihnen. |
| Unechtes Factoring | Das Ausfallrisiko bleibt bei Ihnen. Der Factor finanziert nur vor – wirtschaftlich näher an einem Kredit. |
| Offenes Factoring | Ihr Kunde erfährt vom Verkauf und zahlt direkt an den Factor. |
| Stilles Factoring | Der Verkauf bleibt Ihrem Kunden verborgen. Teurer, weil der Factor schlechter abgesichert ist. |
| Full-Service-Factoring | Der Factor übernimmt zusätzlich Debitorenbuchhaltung und Mahnwesen. |
| Inhouse-Factoring | Sie mahnen weiter selbst, der Factor finanziert nur. |
| Reverse Factoring | Nicht der Lieferant, sondern der Abnehmer stößt die Finanzierung an, um Lieferanten früher zu bezahlen. |
Was Factoring kostet
Der Preis setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Wer nur auf die Factoringgebühr schaut, vergleicht falsch.
| Kostenblock | Bezugsgröße | Wovon die Höhe abhängt |
|---|---|---|
| Factoringgebühr | Prozentsatz vom angekauften Umsatz | Umsatzvolumen, Branche, Zahl und Struktur der Debitoren, Serviceumfang |
| Zinsen | auf den bevorschussten Betrag, taggenau | Marktzins und Bonität; wirkt wie ein Kontokorrentzins |
| Delkredereprämie | im echten Factoring meist in der Gebühr enthalten | Ausfallrisiko Ihrer Kunden |
| Prüfgebühr | je Debitor | Bonitätsprüfung und laufende Überwachung |
Faustregel für den Vergleich: Rechnen Sie alle Bausteine auf ein Jahr und auf Ihren tatsächlichen Umsatz hoch und stellen Sie das Ergebnis den Kosten einer Kontokorrentlinie gegenüber – siehe Kontokorrentkredit. Gegenzurechnen sind eingesparte Mahnkosten, entfallende Ausfälle und Skonti, die Sie beim Einkauf nun selbst ziehen können.
Vorteile und Grenzen
| Dafür spricht | Dagegen spricht |
|---|---|
| Liquidität folgt dem Umsatz statt einer festen Kreditlinie | laufende Kosten, die bei guter Zahlungsmoral hoch wirken |
| Schutz vor Forderungsausfall beim echten Factoring | nicht jede Branche wird angekauft |
| Bilanzverkürzung verbessert die Eigenkapitalquote | Abtretungsverbote in Kundenverträgen können Factoring ausschließen |
| Entlastung im Mahnwesen | der Factor tritt gegenüber Ihren Kunden auf – ein Thema für die Kundenbeziehung |
Wie groß der Markt ist
Factoring ist in Deutschland längst kein Nischeninstrument mehr. Die Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbands kauften 2025 Forderungen im Wert von 423,5 Milliarden Euro an – ein Plus von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Factoring-Quote, also der Anteil am Bruttoinlandsprodukt, lag bei 9,5 Prozent, die Zahl der Kunden bei rund 112.000.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
- Erlaubnis: Factoring ist eine Finanzdienstleistung nach § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 9 KWG. Seriöse Anbieter unterstehen der Aufsicht der BaFin – das können Sie im Unternehmensregister der BaFin prüfen.
- Ankaufquote: Welcher Anteil Ihres Umsatzes wird tatsächlich angekauft? Limitierte Debitoren bleiben bei Ihnen liegen.
- Mindestumsatz und Mindestgebühr: Viele Verträge setzen eine Untergrenze, die kleine Betriebe teuer erwischt.
- Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist: Zwei Jahre sind keine Seltenheit.
- Abtretungsverbot: Prüfen Sie Ihre Kundenverträge, bevor Sie unterschreiben.
- Auszahlungsfrist: „Sofort“ heißt je nach Anbieter 24 Stunden oder fünf Werktage.
Wann sich Factoring lohnt – und wann nicht
Sinnvoll ist Factoring vor allem bei wachsendem Umsatz mit langen Zahlungszielen, bei wenigen großen Geschäftskunden mit spürbarem Klumpenrisiko und bei Betrieben, die Material vorfinanzieren müssen. Bei überwiegend Barzahlung, Vorkasse oder Privatkundschaft mit Kleinbeträgen passt es dagegen selten.
Wer das Ausfallrisiko absichern, aber nicht verkaufen will, findet eine Alternative in der Kreditversicherung. Für reinen Liquiditätsbedarf ohne Forderungsbezug bleibt der klassische Firmenkredit.
Ob Factoring überhaupt der richtige Hebel ist, zeigt sich erst im Zahlungsfluss: Wer seine Ein- und Auszahlungen über zwölf Monate plant, erkennt, ob ein Timing- oder ein Strukturproblem vorliegt. Die Methode beschreibt der Ratgeber Liquiditätsplanung.
Factoring ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, das Umlaufvermögen zu finanzieren – der Überblick steht unter Betriebsmittelkredit.
Wer die Kapitalbindung senkt, braucht weniger Linie – der Vergleich steht unter Kontokorrentkredit.
Anders als Factoring bindet Mezzanine-Kapital langfristiges Kapital und wirkt direkt auf die Eigenkapitalquote.
Während Factoring an den Forderungen ansetzt, hebt Sale-and-lease-back stille Reserven im Anlagevermögen.
Wo der Eigentumsvorbehalt endet, beginnt die Auslagerung des Ausfallrisikos.
Häufige Fragen
Ist Factoring ein Kredit?
Nein. Factoring ist ein Forderungskauf: Die Forderung geht auf den Factor über und verschwindet aus Ihrer Bilanz, statt dass eine Verbindlichkeit entsteht. Beim unechten Factoring bleibt das Ausfallrisiko allerdings bei Ihnen – wirtschaftlich ähnelt es dann einer Vorfinanzierung.
Was kostet Factoring?
Der Preis besteht aus einer Factoringgebühr in Prozent vom angekauften Umsatz, taggenauen Zinsen auf den Vorschuss und meist einer Prüfgebühr je Debitor. Die Höhe hängt von Umsatzvolumen, Branche, Debitorenstruktur und Serviceumfang ab. Vergleichen Sie nur die Summe aller Bausteine, hochgerechnet auf Ihren Jahresumsatz.
Merken meine Kunden, dass ich Factoring nutze?
Beim offenen Factoring ja – Ihre Kunden zahlen direkt an den Factor. Beim stillen Factoring bleibt der Verkauf verborgen, dafür ist es teurer, weil der Factor schlechter abgesichert ist.
Welche Unternehmen können Factoring nutzen?
Grundsätzlich alle, die auf Rechnung an Geschäftskunden liefern. Voraussetzung sind unstrittige Forderungen aus abgeschlossenen Leistungen und Kundenverträge ohne Abtretungsverbot. Bau- und Projektgeschäft mit Teilleistungen wird nur von spezialisierten Anbietern angekauft.
Quellen
- § 1 KWG – Begriffsbestimmungen, Abs. 1a Satz 2 Nr. 9 (abgerufen am 20.09.2026) – Bundesministerium der Justiz
- Deutscher Factoring-Verband: Umsatz steigt auf 423,5 Milliarden Euro (abgerufen am 20.09.2026) – Deutscher Factoring-Verband e.V.

