Kreditrechner
Beispielrechnung ohne Gewähr. Tatsächliche Konditionen hängen von Bonität, Anbieter und Laufzeit ab.
Wozu der Notgroschen da ist
Der Notgroschen ist keine Geldanlage, sondern eine Versicherung gegen teure Notlösungen. Ohne Rücklage landet jede kaputte Waschmaschine im Dispo oder in einem Ratenkredit – und genau das macht kleine Probleme dauerhaft teuer. Mit Rücklage bleibt ein 600-Euro-Schaden ein 600-Euro-Schaden.
Typische Fälle, für die er gedacht ist:
- Auto- oder Heizungsreparatur
- Nachzahlung bei der Nebenkostenabrechnung
- Zuzahlungen beim Zahnarzt oder eine Brille
- überbrückte Wochen nach einem Jobwechsel oder bei Kurzarbeit
- Umzug oder eine neue Kaution
Nicht gedacht ist er für Urlaub, Weihnachten oder ein geplantes neues Handy. Das sind absehbare Ausgaben und gehören in ein eigenes Sparziel.
Wie viel ist genug?
Die gängige Faustregel lautet: drei bis sechs Monatsausgaben, nicht Monatsgehälter. Entscheidend sind Ihre tatsächlichen Fixkosten plus Lebenshaltung – also das, was Sie im Monat wirklich brauchen, wenn kein Geld hereinkommt.
| Lebenssituation | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Angestellt, unbefristet, ohne Kinder, zur Miete | 3 Monatsausgaben | planbares Einkommen, überschaubare Risiken |
| Familie mit Kindern | 4 bis 6 Monatsausgaben | mehr Fixkosten, weniger Spielraum zum Kürzen |
| Selbstständig oder schwankendes Einkommen | 6 Monatsausgaben oder mehr | Auftragsflauten und Steuernachzahlungen |
| Wohneigentum | Notgroschen plus getrennte Instandhaltungsrücklage | Dach und Heizung folgen keinem Sparplan |
Ein Rechenbeispiel
Nehmen wir einen Haushalt mit 2.400 Euro monatlichen Ausgaben – Miete, Energie, Versicherungen, Lebensmittel, Mobilität, Abos. Daraus ergeben sich diese Zielgrößen und, bei verschiedenen Sparraten, diese Ansparzeiten:
| Ziel | Betrag | bei 100 € im Monat | bei 200 € im Monat | bei 300 € im Monat |
|---|---|---|---|---|
| 3 Monatsausgaben | 7.200 € | 72 Monate | 36 Monate | 24 Monate |
| 4 Monatsausgaben | 9.600 € | 96 Monate | 48 Monate | 32 Monate |
| 6 Monatsausgaben | 14.400 € | 144 Monate | 72 Monate | 48 Monate |
Eigene Berechnung, ohne Zinsen gerechnet. Bei 2 bis 3 Prozent Tagesgeldzins verkürzen sich die Zeiträume leicht.
Diese Zahlen wirken entmutigend – und genau deshalb ist die Reihenfolge wichtig: Setzen Sie sich zuerst ein Zwischenziel von 1.000 bis 1.500 Euro. Das deckt bereits die meisten Einzelschäden ab und nimmt den Druck aus dem Alltag. Das volle Polster kommt danach.
Wohin mit dem Geld?
| Ort | Geeignet? | Warum |
|---|---|---|
| Tagesgeldkonto | ja | täglich verfügbar, verzinst, gesetzlich gesichert, getrennt vom Girokonto |
| Girokonto | bedingt | verfügbar, aber meist unverzinst – und das Geld wird unbewusst mitausgegeben |
| Festgeld | nein | über die Laufzeit gebunden, genau dann nicht verfügbar, wenn es gebraucht wird |
| Aktien oder ETF | nein | Kurse können ausgerechnet dann im Minus stehen, wenn Sie verkaufen müssen |
| Bausparvertrag, Lebensversicherung | nein | Kündigung dauert und kostet |
| Bargeld zu Hause | allenfalls ergänzend | kleiner Betrag für den Stromausfall, mehr nicht – kein Schutz bei Diebstahl |
Praktisch heißt das: ein separates Tagesgeldkonto, am besten bei einer anderen Bank als dem Girokonto – die zusätzliche Überweisung ist eine gewollte Hürde. Konditionen und Einlagensicherung vergleichen Sie im Tagesgeld-Vergleich. Für Beträge, die Sie sicher länger nicht brauchen, ist Festgeld die bessere Wahl – aber eben nicht für den Notgroschen.
So bauen Sie ihn auf
- Dauerauftrag am Zahltag: Was am Monatsanfang abgeht, fehlt am Monatsende nicht. Ein Sparplan, der auf „was übrig bleibt“ wartet, scheitert fast immer.
- Realistisch starten. 50 Euro, die Sie durchhalten, schlagen 250 Euro, die Sie nach zwei Monaten aussetzen.
- Einmalbeträge nutzen: Steuererstattung, Weihnachtsgeld, Bonus oder das Geld aus einem verkauften Gerät gehen komplett aufs Notgroschen-Konto, bis das Zwischenziel steht.
- Ausgaben zuerst sortieren. Ein Überblick über Fixkosten und Abos bringt oft mehr als jede Sparidee – eine einfache Struktur dafür bietet die 50-30-20-Regel.
- Schulden zuerst? Bei einem laufenden Dispo ja: Tilgen Sie den Dispo, während Sie parallel ein kleines Polster von einigen hundert Euro aufbauen. Warum der Dispokredit als Dauerlösung so teuer ist, steht im eigenen Ratgeber.
Und wenn Sie ihn gebraucht haben?
Dann hat er funktioniert. Der häufigste Fehler danach ist, den Wiederaufbau zu vergessen. Setzen Sie den Dauerauftrag direkt nach der Entnahme wieder in Gang – und widerstehen Sie der Versuchung, das Konto als Puffer für den laufenden Konsum zu nutzen. Ein Notgroschen, aus dem regelmäßig der Wocheneinkauf bezahlt wird, ist keiner mehr.
Damit die Zinsen der Reserve steuerfrei bleiben, hilft der Freistellungsauftrag.
Auf dem Sparbuch ist die Reserve schlecht aufgehoben: monatlich nur 2.000 Euro ohne Kündigung verfügbar.
Der Notgroschen gehört auf ein Konto, das gesetzlich abgesichert ist – die Regeln dazu stehen unter Einlagensicherung.
Die Nettorendite Ihrer Rücklage hängt auch an der Abgeltungsteuer.
Häufige Fragen
Wie hoch sollte der Notgroschen sein?
Drei bis sechs Monatsausgaben. Maßgeblich sind Ihre tatsächlichen Ausgaben, nicht Ihr Gehalt. Angestellte ohne Kinder kommen meist mit drei Monaten aus, Familien mit vier bis sechs, Selbstständige sollten eher sechs Monate oder mehr einplanen.
Wo bewahre ich den Notgroschen am besten auf?
Auf einem separaten Tagesgeldkonto. Es ist täglich verfügbar, verzinst und im Rahmen der Einlagensicherung geschützt. Festgeld, ETF oder Bausparverträge sind ungeeignet, weil das Geld gebunden ist oder im falschen Moment im Minus stehen kann.
Erst Schulden tilgen oder erst sparen?
Beides parallel. Bauen Sie zuerst ein kleines Polster von einigen hundert Euro auf, damit der nächste Schaden nicht wieder im Dispo landet, und tilgen Sie gleichzeitig den Dispo. Erst danach füllen Sie das volle Polster auf.
Zählt der Dispokredit als Notgroschen?
Nein. Der Dispo ist Fremdkapital zu hohen Zinsen, das die Bank jederzeit kürzen kann. Ein Notgroschen ist eigenes Geld, das keine Zinsen kostet, sondern welche bringt.
Wie lange dauert der Aufbau?
Bei 2.400 Euro Monatsausgaben und 200 Euro Sparrate dauern drei Monatsausgaben rund drei Jahre. Das Zwischenziel von 1.000 bis 1.500 Euro erreichen Sie in derselben Rechnung aber schon nach fünf bis acht Monaten – und deshalb sollten Sie dort anfangen.
Quellen
- § 20 Abs. 9 EStG – Sparer-Pauschbetrag für Zinserträge (abgerufen am 21.09.2026) – Bundesministerium der Justiz

