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Identitätsdiebstahl: So reagieren Sie richtig

Woran Sie Identitätsmissbrauch erkennen, was in den ersten 24 Stunden zu tun ist, warum Sie nichts schulden – und wie Sie falsche Einträge bei Auskunfteien wieder loswerden.

Woran Sie es merken

Identitätsdiebstahl fällt selten sofort auf. Typischerweise melden sich zuerst die Folgen:

  • Rechnungen oder Mahnungen für Bestellungen, die Sie nie aufgegeben haben
  • ein Inkassoschreiben zu einem Vertrag, den Sie nicht kennen
  • ein abgelehnter Kredit oder Mobilfunkvertrag ohne erkennbaren Grund
  • Post einer Bank zu einem Konto, das Sie nie eröffnet haben
  • in der Datenkopie der Auskunftei: Anfragen von Unternehmen, mit denen Sie nichts zu tun hatten

Der letzte Punkt ist der wichtigste Frühindikator – und der einzige, den Sie aktiv prüfen können, bevor Schaden entsteht. Wie Sie die kostenlose Datenkopie bei allen Auskunfteien anfordern, steht unter Auskunfteien in Deutschland.

Die ersten 24 Stunden

  • Karten und Online-Banking sperren, wenn Zahlungsdaten betroffen sein könnten – über Ihre Bank oder den Sperr-Notruf 116 116.
  • Strafanzeige stellen, bei der Polizei oder online über die Internetwache Ihres Bundeslandes. Das Aktenzeichen brauchen Sie danach immer wieder: Unternehmen und Auskunfteien verlangen es als Beleg.
  • Passwörter ändern, zuerst beim E-Mail-Konto. Wer Zugriff auf Ihr Postfach hat, kann Passwörter aller anderen Dienste zurücksetzen.
  • Betroffene Unternehmen schriftlich informieren und die Forderung ausdrücklich bestreiten.
  • Alles dokumentieren: Schreiben, Daten, Namen, Aktenzeichen. Sie werden denselben Sachverhalt mehrfach erklären müssen.

Sie müssen nicht zahlen – aber Sie müssen widersprechen

Wenn ein Dritter in Ihrem Namen bestellt oder einen Vertrag geschlossen hat, ist zwischen Ihnen und dem Unternehmen kein Vertrag zustande gekommen. Eine Zahlungspflicht besteht nicht. Wer den Vertragsschluss behauptet, muss ihn beweisen – nicht Sie seine Nichtexistenz.

Das gilt aber nur, wenn Sie sich melden. Schweigen führt zu Mahnung, Inkasso und am Ende zum gerichtlichen Mahnbescheid. Widersprechen Sie deshalb früh, schriftlich und nachweisbar:

„Der Forderung aus Ihrem Schreiben vom … widerspreche ich vollumfänglich. Ich habe weder eine Bestellung aufgegeben noch einen Vertrag geschlossen. Meine Daten wurden missbräuchlich verwendet; ich habe Strafanzeige erstattet (Aktenzeichen …). Ich fordere Sie auf, die Forderung nicht weiterzuverfolgen, keine Meldung an Auskunfteien vorzunehmen und eine bereits erfolgte Meldung zu widerrufen.“

Wie Sie auf ein Inkassoschreiben richtig reagieren, steht im Ratgeber Inkasso. Kommt bereits ein gerichtlicher Mahnbescheid, haben Sie zwei Wochen Zeit für den Widerspruch – diese Frist dürfen Sie unter keinen Umständen verstreichen lassen.

Wenn bereits Geld abgebucht wurde

Bei einer nicht autorisierten Zahlung muss Ihre Bank den Betrag unverzüglich erstatten, spätestens bis zum Ende des Geschäftstags nach Ihrer Anzeige (§ 675u BGB). Ihre Mithaftung bei Kartenmissbrauch ist auf 50 Euro begrenzt, und sie entfällt, wenn keine starke Kundenauthentifizierung verlangt wurde. Die Ausschlussfrist beträgt 13 Monate ab Belastung. Die Einzelheiten stehen unter Chargeback.

Einträge bei Auskunfteien bereinigen

Der teuerste Teil des Schadens ist meist nicht das Geld, sondern der Negativeintrag. Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:

  • Datenkopie bei allen Auskunfteien anfordern und notieren, welches Unternehmen wann welchen Eintrag gemeldet hat.
  • Löschung verlangen – bei der Auskunftei und beim meldenden Unternehmen. Legen Sie das Aktenzeichen der Strafanzeige bei. Auskunfteien löschen am schnellsten, wenn der Melder selbst widerruft.
  • Identitätsmissbrauch melden: Die großen Auskunfteien nehmen einen entsprechenden Hinweis in den Datensatz auf. Künftige Anfragen werden dann genauer geprüft.
  • Nachkontrollieren: Fordern Sie zwei bis drei Monate später erneut die Datenkopie an und prüfen Sie, ob wirklich alles verschwunden ist.

Wie Löschungen und Fristen funktionieren, steht unter SCHUFA-Eintrag löschen. Die Voraussetzungen, unter denen ein Negativmerkmal überhaupt gemeldet werden darf, erklärt der Ratgeber SCHUFA-Klausel – bei Identitätsmissbrauch fehlt es regelmäßig schon an einer wirksamen Forderung.

Vorbeugen

Maßnahme Warum
Datenkopie einmal jährlich prüfen der einzige Weg, Missbrauch zu bemerken, bevor Mahnungen kommen
Zwei-Faktor-Authentifizierung überall aktivieren ein gestohlenes Passwort allein reicht dann nicht
Eigene, lange Passwörter je Dienst verhindert, dass ein Datenleck alle Konten öffnet
Ausweiskopien schwärzen für eine Altersprüfung genügt das Geburtsdatum
Datensparsam bestellen je weniger Stellen Ihre Daten halten, desto kleiner die Angriffsfläche
Post ernst nehmen fehlende Kontoauszüge oder umgeleitete Post sind ein Warnsignal

Und wenn der Verdacht besteht, dass Daten aus einem Leck stammen: Der HPI Identity Leak Checker und ähnliche Dienste zeigen, ob Ihre E-Mail-Adresse betroffen ist. Wir sind keine Rechtsanwälte; bei hohen Forderungen oder laufenden Verfahren gehört der Fall in anwaltliche Hände.

Für die entstandenen Nachteile gibt es einen eigenen Anspruch: Falscher Schufa-Eintrag: Schadensersatz.

Wurden mit Ihren Daten Zahlungen ausgelöst, greift § 675u BGB – die Fristen stehen unter nicht autorisierte Kartenzahlung.

Die neue Empfängerüberprüfung ist das wirksamste Mittel gegen geänderte Bankverbindungen – siehe Echtzeitüberweisung.

Um herauszufinden, wo Ihre Daten aufgetaucht sind, hilft der Auskunftsanspruch nach Artikel 15 DSGVO.

Geben Sie Nachweise nur gezielt und geschwärzt heraus – die Regeln dafür stehen unter Mieterselbstauskunft.

Häufige Fragen

Muss ich zahlen, wenn jemand in meinem Namen bestellt hat?

Nein. Ohne Ihre Willenserklärung ist kein Vertrag entstanden, und wer den Vertragsschluss behauptet, muss ihn beweisen. Sie müssen der Forderung aber ausdrücklich und nachweisbar widersprechen – Schweigen führt zu Mahnung, Inkasso und Mahnbescheid.

Brauche ich eine Strafanzeige?

Sie ist dringend zu empfehlen. Unternehmen und Auskunfteien verlangen das Aktenzeichen regelmäßig als Beleg dafür, dass ein Missbrauch vorliegt. Die Anzeige ist bei der Polizei oder online über die Internetwache des Bundeslandes möglich.

Wie bekomme ich falsche SCHUFA-Einträge wieder weg?

Fordern Sie zuerst die Datenkopie an, um zu sehen, wer was gemeldet hat. Verlangen Sie dann parallel bei der Auskunftei und beim meldenden Unternehmen die Löschung und legen Sie das Aktenzeichen der Strafanzeige bei. Prüfen Sie nach zwei bis drei Monaten mit einer erneuten Datenkopie nach.

Was tun, wenn Geld abgebucht wurde?

Melden Sie die Zahlung sofort Ihrer Bank. Bei einer nicht autorisierten Zahlung muss sie unverzüglich erstatten, spätestens bis zum Ende des Geschäftstags nach Ihrer Anzeige. Ihre Mithaftung bei Kartenmissbrauch liegt bei höchstens 50 Euro, die Ausschlussfrist bei 13 Monaten ab Belastung.

Wie merke ich Identitätsmissbrauch frühzeitig?

Über die kostenlose Datenkopie bei den Auskunfteien. Dort stehen auch die Anfragen von Unternehmen. Tauchen Firmen auf, mit denen Sie nie zu tun hatten, ist das ein deutliches Warnzeichen – meist bevor die erste Mahnung eintrifft.

Quellen

  1. § 675u BGB – Haftung bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen (abgerufen am 21.09.2026) – Bundesministerium der Justiz
  2. § 675v BGB – Haftung bei missbräuchlicher Verwendung eines Zahlungsinstruments (abgerufen am 21.09.2026) – Bundesministerium der Justiz
  3. § 31 BDSG – Voraussetzungen für die Berücksichtigung von Forderungen (abgerufen am 21.09.2026) – Bundesministerium der Justiz
Daniel Krüger

Autor:in

Daniel Krüger

Kreditberater · Gelernter Bankkaufmann

Ich verfüge als gelernter Bankkaufmann über 13 Jahre Erfahrung im Bank- und Finanzbereich. Mein Praxiswissen bringe ich bei kreditfrage.com ein, damit Sie die Kostenstrukturen, Konditionen und Finanzprodukte im Allgemeinen besser verstehen und…

Stefan Tietz

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Stefan Tietz

Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht · Rechtsanwalt, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

Als Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht verfüge ich über 25 Jahre Erfahrung mit rechtlichen Fragestellungen rund um Banken, Finanzierungen und Kapitalanlagen. Bei kreditfrage.com bringe ich meine juristische Expertise ein, um komplexe rechtliche…

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